Selbsternannte Tempelritter in Nazi-Fußstapfen

Die merkwürdigen Umtriebe einer österreichischen „Geheimgesellschaft“

Erstellt am 21.09.2012 von Florian Machl
In der Ausgabe 11/2012 veröffentlichte das Österreichische Magazin DATUM – Seiten der Zeit als Titelthema den Artikel: „Ritterspiele – Wer auf Schloss Dürnkrut nach Nazi-Ufos sucht.“. Der Text ist mittlerweile auch externer Link online verfügbar: „Die Ritter des Baphomet“. In Fantasy-Outfits mit „Templer-Umhängen“ und Zierschwertern ausgestattet, trifft sich eine Gruppe von Menschen unter dem Namen „Baphometische Gesellschaft“ in Dürnkrut, Wien und anderen Orten Österreichs und Deutschlands. Neben dem Deckmäntelchen gemeinsam betriebener Mittelalter-Romantik fällt eine besondere Nähe zu nationalsozialistischer Esoterik auf. Weitere Templer-Internetseiten und internationale Verflechtungen lassen aufhorchen: Der Massenmörder Anders Breivik berief sich mehrfach auf ein internationales Netzwerk aus Tempelrittern, dem er angehöre. Fest steht: auch hier, mitten in Österreich wird ein Konglomerat aus Esoterik und Geschichtsrevisionismus betrieben. Ein potentieller Nährboden für Rechtsradikalismus, eventuell auch eine Vorstufe für Terrorismus? Viele gute Gründe, den Beteiligten sehr genau auf die Finger zu sehen. Wir haben die Recherchen von DATUM weitergeführt und um einige interessante Details erweitert.
 
Bild: Bildzitat aus DATUM

Abbildungen im Artikel des Magazins DATUM, Ausgabe 11/2012. Links eines der “magischen Utensilien” der Gruppe – die Schwarze Sonne Heinrich Himmlers. Daneben eine Abbildung einer “Ordensveranstaltung”. Man trifft sich Fantasy-Templeruniformen. Die Gesichter der Teilnehmer sind stets unkenntlich gemacht.

Sie hüllten sich in seltsame Gewänder und irrten ziellos umher. Dieser viel zitierte Spruch scheint auf die Mitglieder und Sympathisanten der Möchtegern-Geheimgesellschaft zuzutreffen, wenn man sich mit ihrem bunten Treiben eingehender beschäftigt. Im Jahr 1999 wird einer der wenigen schon damals aktiven österreichischen Mittelaltervereine für ein Event in einem Wiener Palais gebucht. Ein wenig Schwertkampf, ein wenig Feuershow. Bekleidet mit dem, was sich zu jener Zeit als mittelalterlich verkaufen ließ. Bei der Feuershow passiert ein Unfall, der Feuerartist verletzt sich schwer. Noch am Weg ins Krankenhaus legt man ihm nahe, dass er nie dort gewesen sei. Der Grund war vermutlich mehr im Bereich der Genehmigung und Versicherung zu suchen, als dass ein Geheimbund Angst vor der Enttarnung gehabt hätte. Das damalige Publikum wird in etwa so beschrieben, wie man heutige „Ritterbünde“ kennt. Vor allem ältere Herren, gesittetes Benehmen, „Ritterumhänge“ und zugehörige Utensilien.

Bild: Archiv

Bei dieser Vorführung während einer Privatveranstaltung im Jahr 1999 verletzt sich einer der Feuerspucker schwer. Man legt ihm nahe: “Du warst nie hier.” Es handelt sich um das heutige “Hauptquartier” der Baphometischen Gesellschaft.

Das „Hauptquartier“ in Wien

Mehrere Dinge an dieser alten Geschichte ließen bei unseren Recherchen dennoch aufhorchen. Zum einen, dass Aktivitäten im heutigen „Hauptquartier“ der Baphometischen Gesellschaft schon seit gut 15 Jahren nachweisbar sind. Zum anderen die Tatsache, dass eben dieses, in Privatbesitz befindliche Gebäude in direkter Nachbarschaft des Renner Institutes liegt, wo beispielsweise die ORF Sommergespräche mit Armin Wolf und Bundeskanzler Werner Faymann aufgezeichnet wurden. Man kann sich seine Nachbarn eben nicht aussuchen – aber es ist wohl kein Fehler, sie zu kennen. [Link 1]

Der damals beteiligte Mittelalterverein Eisenfaust existiert schon lange nicht mehr. Der Obmann war spätestens seit 1993 einschlägig amtsbekannt. Bei einer Hausdurchsuchung aufgrund vermuteter – später bewiesener – Untreue am Arbeitsplatz stieß man auf diverses Neonazi-Propagandamaterial und Waffen. Eine Verurteilung folgte. Ehemaligen Vereinsmitgliedern soll diese Vorgeschichte bis knapp vor der Vereinsauflösung nicht bekannt gewesen sein. Dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, einer Stiftung, welche unter anderem die Aktivitäten von Neonazis dokumentiert, hingegen schon. Das hinderte besagte Person allerdings nicht daran, noch im Jahr 1999 im ORF als „letzter Ritter Österreichs“ aufzutreten. [Link 2]

Wie ernst muss man die Baphometische Gesellschaft, diese Gruppe selbst ernannter Tempelritter nehmen, deren Liebäugeln mit der Symbolik und Mystik des Dritten Reiches von DATUM bereits anschaulich erklärt wurde? Kommuniziert wird unter anderem über ein Internetforum, das seit 2006 betrieben wird. Dort sind zur Zeit mindestens 168 Personen registriert. Die Benutzer stammen nach eigenen Angaben aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Ungarn und den USA. Dabei hat die bisherige Berichterstattung dort nicht zu mehr Vorsicht geführt. Benutzer wie „ReichsdeutschHH“ scheinen genauso weiterhin auf, wie „Reichsarchivar“ und „Wehrwolf“. Den Internet-Aktivitäten steht eine Vielzahl von Bilddokumentationen von „Templertreffen“ gegenüber, wobei die Gesichter der selten mehr als einem Dutzend Teilnehmer stets unkenntlich gemacht wurden.
[Link 3]

Bild: Bildzitat / Bildschirmfoto von causa-nostra.com

Die Gesellschaft erwähnt Schloss Dürnkrut als ihr “Stammschloss” und wäre dort gegründet worden. Fotos diverser Treffen sind online verfügbar. Das Schloss selbst steht im Eigentum der Gemeinde.

“Stammschloss” Dürnkrut

Die Gruppe selbst wäre nach Eigendefinition im Jahr 2005 gegründet worden. Man beruft sich auf eine angebliche Vorgänger-Geheimgesellschaft, für deren tatsächliche Existenz nirgendwo ein Beweis zu finden ist. Gemeinsam mit dieser „Societas in Spiritu Templorum“ soll Gründung der Baphometischen-Gesellschaft im Schloss Dürnkrut stattgefunden haben, das sich im Eigentum der Gemeinde befindet. In Dürnkrut will man heute von solchen Veranstaltungen nichts Genaueres wissen (siehe Recherchen von DATUM). Dass mehrere dieser Treffen stattgefunden haben, steht aufgrund des verfügbaren Bildmaterials zweifelsfrei fest. Die Gesellschaft selbst spricht über Dürnkrut als ihr „Stammschloss“. [Link 4]

Verbindungen zu radikalem Gedankengut schnell nachweisbar

Die Geisteshaltung zumindest mancher Personen im Umfeld der Gruppe ist verschiedenen Einträgen im Forum zu entnehmen. Hier ist beispielsweise zu lesen „Fr. Merkel gehört meiner Meinung nach wegen Verrat am Weltfrieden an die Wand gestellt! (…) Heinz, HH“. „Ich betrachte mich als ein Mensch im gesamtabendländischen Geist, nicht als eng “völkisch”. Das entspricht wohl auch der Basis, auf der das alte Deutsche Reich stand.“ „Mit großer Erschütterung habe ich unter “Einblick 10/2009″ den Aufsatz “Nationalfarben” zur Kenntnis genommen! Ich kenne diese Herleitung, seit ich durch meinen Beitritt zur NPD am 01.10.1977 der völkischen Bewegung angehöre. Da ich rechtzeitig erkannt habe, daß auf solche Weise nichts zu erreichen, und ich obendrein erkennen mußte, daß jene Partei von Freimaurern gesteuert und vom Verfassungsschutz durchsetzt ist, gehöre ich ihr seid rd. 25 Jahren nicht mehr an und auch keiner anderen Gruppierung.“ An anderer Stelle freut sich ein Benutzer namens Vril1922 über einen Artikel im National Journal mit dem Titel “Machtjuden erleiden Herzanfälle“. Dort wird in weiterer Folge angeführt, dass die finnische Luftwaffe seit 2005 wieder unter dem Hakenkreuz dient – und darauf verwiesen, dass Finnland zu den Verbündeten im 2. Weltkrieg zählte.

Auch wenn sich die einzelnen Protagonisten durch unkenntlich gemachte Bilder von ihren gemeinsamen Aktivitäten anonym und sicher fühlen mögen, können verschiedenen Forennutzern bei entsprechender Sachkenntnis schnell reale Personen zugewiesen werden. So erscheint beispielsweise der mutmaßliche Betreiber der Seite alpenfestung.com unter den Nutzern zu sein, dessen Homepage und dessen Impressum mit potenziell verfassungsfeindlichem Unterton für sich selbst spricht. Einer der Betreiber der Seiten der Baphometischen Gesellschaft, Ralf Ettl, und seine Hintergründe in der rechtsesoterischen Szene wurden von DATUM schon ausführlich behandelt. [Link 5] [Link 6]

Bild: Bildzitat von DATUM

Die Fotografie, abgedruckt im Magazin Datum, zeigt die von der Gruppe nachgebaute “Magna Figura”, ein angebliches matisches Artefakt der Tempelritter. Durch diese soll eine (fiktive) Vril-Energie nutzbar gemacht werden.

Auf der Jagd
nach der mystischen
Vril-Energie

Distanziert betrachtet, scheint die Gesellschaft eine Ansammlung von wunderlichen Menschen zu sein, die sektenähnlich von spirituellen Anführern geleitet wird. Dafür spricht die regelmäßige Veröffentlichung philosophischer Sinnsprüche sowie einer Art meditativer Gesänge. Man versucht eine esoterische Geheimenergie zu finden und nutzbar zu machen, die VRIL-Energie. Das Wort Vril entstammt dem Roman „The Coming Race“ der im Jahr 1871 erschien und eigentlich eine intelligente Gesellschaftssatire darstellte. Eine unter der Erde lebende Überrasse konnte darin über diese Energie verfügen. [Link 7]

Die Theorien von Vril und einer hohlen Erde fanden Einzug in die esoterischen Lehren der Okkultisten jener Zeit. Sie wurden schnell gleichgesetzt mit der damals, dem Zeitgeist entsprechend, viel zitierten „Ätherenergie“. Das Wort wurde synonymisch verwendet und auch als solches in die Wörterbücher aufgenommen. Die Theosophin Helena Blavatsky baute die Theorien um eine vermeintliche Vril-Kraft aus und beschrieb diese in ihren Schriften über eine angebliche Geheimlehre. Heutige Verschwörungstheoretiker behaupten eine enge Verflechtung des Führungskreises der Nationalsozialisten mit einer geheimen Vril-Gesellschaft. Haltbare historische Belege gibt es dafür bis heute nicht. Dass führende Nazis hingegen viele Berührungspunkte zum Okkultismus hatten, gilt als unbestritten. Eine der diesbezüglich aktivsten Figuren im 3. Reich dürfte Heinrich Himmler gewesen sein, der sein esoterisches Weltbild in der Wewelsburg architektonisch verwirklichte. Dort findet sich auch das moderne Symbol der Schwarzen Sonne – welches wiederum bei der Baphometischen Gesellschaft als mystisches Symbol und Gerätschaft bei okkulten Riten Einsatz findet. [Link 8]

Erheiternde Pointe: Steht Baphomet für Mohammed?

Der Terminus „Baphomet“ steht übrigens für eine Götzenfigur, die während der historischen Inquisitionsprozesse gegen den Templerorden ab 1307 Erwähnung fand. Die Templer, deren Orden offiziell wegen angeblicher Ketzerei zerschlagen, die Mitglieder ermordet oder hingerichtet wurden, hätten einen Götzen dieses Namens angebetet. Es gibt viele Theorien über einen historischen Ursprung des Wortes. Als eine der wahrscheinlichsten Thesen gilt, dass die ursprüngliche Schreibweise „Baffomet“ ein provinzialischer Begriff für den Propheten „Mohammed“ wäre. Belege dafür sollen seit dem Jahr 1098 sowohl aus dem arabischen als auch aus dem abendländischen Raum nachweisbar sein. [Link 9] [Link 10]

Es erscheint bereits als widersprüchlich, wenn Menschen, die sich im Geist mittelalterlicher Tempelritter wähnen, den Namen eines Götzenbildes für ihre Selbstbezeichnung wählen, der aufgrund fälschlicher Beschuldigungen einer der Gründe für die Auslöschung ihres Ordens war. Um so absurder wird es, wenn man die demonstrative Islamfeindlichkeit der Gruppierung heranzieht, sofern die Theorie einer Gleichsetzung von Baphomet und Mohammed zutreffend wäre. Dem Namen nach wären die Baphomets also eine “mohammedanische Gesellschaft”, die sich als christliche Tempelritter versteht und (unter anderem) Opposition gegen Islamismus betreibt?

Kollektive spätpubertierende Neugier mit esoterischem Touch

Man mag geteilter Meinung darüber sein, welche gesellschaftliche Bedeutung eine Gruppe „alter Herren“ mit ihren weiblichen Anhängen hat, die in selbsterfundenen Templergewändern Rituale abhalten, bei Kerzenlicht in Katakomben hinabsteigen, in Schlössern der öffentlichen Hand feiern oder „gemeinsam spazierengehen“. Im günstigsten Fall, die Aussagen im Forum ausblendend, handelt es sich vielleicht nur um ein romantisierendes Abweichen von der Norm, ein gemeinschaftliches Jagen nach vermeintlichen Geheimnissen der Vergangenheit? Eine Sinnsuche nach esoterischem Wissen, irgendwo verklärt anzuordnen zwischen „Indiana Jones“ und „Ritter aus Leidenschaft“? Über diese kollektive spätpubertierende Neugier zu urteilen, interessiert in den meisten erwähnten Punkten wohl noch nicht einmal die Justiz.

Bild: Johann Ertl

In dieser Ruine vermuten die Baphometen ein esoterisches Artefakt – und montierten gleich einmal einen Stein mit Inschrift ab.

Auf der Suche
nach einer magischen Goldfigur

Die Suche nach Spuren der Tempelritter in Österreich sorgt allerdings auch für merkwürdige Blüten. So begab sich die Baphometische Gesellschaft zur von ihnen so genannten „Figura Burg“. Eine zentrale Figur ihres Strebens und ihrer Theorien ist eine eine vergoldete Abbildung einer Frau mit langem Haar, durch welche die Vril-Energie wirken soll. Eine solche Magna Figura soll bereits im 12. Jahrhundert als magische Apparatur der Tempelritter im Einsatz gewesen sein – so weit die esoterische Annahme. Die Baphometische Gesellschaft glaubt, aus welchen Gründen auch immer, dass diese Figur in einer Burganlage in Österreich beherbergt wurde, nämlich der heutigen Ruine Niederperwarth im Erlauftal. Dieses Detail lässt Rückschlüsse auf die „Ernsthaftigkeit“ im Gedankenkonstrukt der Gruppe beziehungsweise deren Führung zu, denn ein Ursprung als Templerburg ist bei diesem Objekt historisch unmöglich. Die Anlage wurde erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. Möglich wäre aber auch, dass man für eine naive Anhängerschaft ein leicht zu dekonstruierendes Trugbild aufgebaut hat.

Bild: Bildzitat - Bildschirmfoto bei Baphometische Gesellschaft

Diesen Ziegelstein mit eingeritzter Inschrift entwendete die Gruppe aus der denkmalgeschützten Ruine Niederperwarth. Bilder des Fundstücks werden als “rätslhafte baphometische Inschrift” betitelt auf der Homepage zur Schau gestellt.

Stein mit „Geheiminschrift“
aus denkmalgeschützter
Ruine entwendet

Bei den Baphometen äußert man sich hinsichtlich Niederperwarth völlig unbelastet von historischen Fakten wörtlich über eine Ruine, „die der Legende nach in alten Zeiten eine Templerburg war.“ Stolz berichtet man darüber, bei einer Exkursion einen Mauerstein mit einer „Baphometischen Inschrift“ gefunden zu haben, den man kurzerhand entfernte und einpackte. Die darauf befindliche Inschrift, die angeblich „noch niemand entschlüsseln konnte“ wurde uns gegenüber von einem Experten als Jahreszahl, vermutlich 1889 identifiziert. Es handle sich vermutlich um einen handwerklich trivial bearbeiteten Kaminstein. Nachdem die Burg schon 1834 dem Verfall preisgegeben wurde, ist diese Datierung zwar auch hinterfragenswert, eine Verbindung zu historischen Templern ist aber bei keinem mit diesem Objekt zusammenhängenden Detail schlüssig herstellbar. Ein alternativer Grund für einschlägige Bekanntheit der Ruinen mag vielleicht ideologischer Natur sein. Zwischen den Ruinen Ober- und Niederperwarth wurde 1934 ein riesiges Hakenkreuz an den Fels eines Steinbruchs gemalt. Dieses wurde erst zu Kriegsende entfernt. Es ist anzunehmen, dass sich sowohl die rechtmäßigen Eigentümer der Burg (die Gemeinde Randegg) als auch das Bundesdenkmalamt dafür interessieren dürften, wenn Privatpersonen ohne Genehmigung Steine aus einem denkmalgeschützten Bauwerk herausschlagen und mitnehmen. [Link 11]

Bild: Bildzitat von die Zeit

Das deutsche Qualitätsmedium “Die Zeit” recherchierte im Mai 2012 genauer, ob an Breiviks Behauptungen eines internationalen Templernetzwerkes etwas dran sein könnte.

Templer klingt harmloser
als Nazis

Bei anderen modernen „Tempelrittern“ ist die Motivation offenbar drastisch unterschiedlich. Im Mai 2012 ging die deutsche Zeitung „Die Zeit“ auf Spurensuche nach der angeblichen Armee des Massenmörders Breivik. Dieser gab immer wieder zu Protokoll, Mitglied eines „Templer-Netzwerkes“ zu sein. Dabei fällt das Zitat: „Ehemalige Nazis nennen sich jetzt »Templer« – das klingt harmloser.“ Die von „Die Zeit“ identifizierten Gruppierungen wie Order777 sind allerdings mit der Baphometischen Gesellschaft nicht direkt zu vergleichen, da deren radikale Grundhaltung nicht verschleiert, die Hintergründe direkt nachweisbar sind. Gegründet von einem mehrfach wegen verschiedensten Gewaltdelikten vorbestraften Neonazi geht es dort um eine christliche Bürgermiliz, welche die „Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus“ zu bekämpfen gedenkt. [Link 12]

Baphometische Gesellschaft sieht
H.C. Strache als Mann der Zukunft

Diesen gewaltbereiten Extremismus findet man in den Zielen der Baphometischen Gesellschaft nicht, politische Äußerungen hingegen sehr wohl. So ist außerhalb des Forums in öffentlichen Publikationen von einem „weltweiten Islam-Problem“ zu lesen. Ein Gewaltaufruf findet sich hingegen nicht. Politisch äußert man sich hingegen klar. So findet sich neben einem Foto von FPÖ-Parteichef HC Strache der Titel „Mann der Zukunft“. Seine Politik wäre ermutigend, er selbst ein „besonderer Hoffnungsträger – für seine unmittelbare Heimat, aber ebenso für den gesamten abendländischen Geist“. „Vielleicht wird er dann seine Tätigkeit ja auch auf die gesamteuropäische Ebene ausdehnen – denn besonders dort wird eine starke Persönlichkeit dringend gebraucht.“ [Link 13]

Bei aller Romantik verbleibt ein Nährboden für Extremisten

Eine genaue Betrachtung solcher Gruppierungen erscheint aber als dringend notwendig. Mögen die offiziellen Grundziele in Ritterromantik bestehen, mag man harmlos erscheinende Rituale mit oder ohne Lagerfeuer, mit oder ohne Gesang, mit Schwertern, goldenen Figuren, Schwarzen Sonnen und dergleichen mehr zelebrieren: Es erscheint als sehr gut belegt, dass dieses Umfeld eine intensive Anziehungskraft für Rechtsradikale, Neonazis und andere Extremisten ausübt und gegebenenfalls auch als deren Nährboden fungieren könnte. Eine Gemeinschaft von Menschen, deren Denken in ähnlich gelagert ist: Verharmlosung oder Verherrlichung technischer oder esoterischer Errungenschaften des Dritten Reiches. Hier kann durchaus ein Nährboden für Extremismus angenommen werden. Ein Umfeld, in dem einzelne Personen – für sich alleine harmlos – eine äußere Rechtfertigung für terroristische Pläne und Taten erhalten könnten.

Weiterführende Links

externer Link DATUM – Die Ritter des Baphomet

[Link   1] externer Link Baphometische Gesellschaft: Frühling im Hauptquartier
[Link   2] externer Link DÖW-Chronik 1998: Ritterspiel
[Link   3] externer Link Baphometische Gesellschaft: Forum
[Link   4] externer Link Baphometische Gesellschaft: Gründung und das Stammschloss Dürnkrut
[Link   5] externer Link Alpenfestung – Internetauftritt eines der Forenmitglieder
[Link   6] externer Link Datum – Die Ritter des Baphomet
[Link   7] externer Link Wikipedia: Vril-Gesellschaft
[Link   8] externer Link Wikipedia: Wewelsburg
[Link   9] externer Link Wikipedia: Baphomet
[Link 10] externer Link Universität Hamburg: Das Baphomet-Idol von Anke Krüger
[Link 11] externer Link Baphometische Gesellschaft: Exkursion zur Figura Burg
[Link 12] externer Link Die Zeit: Tempelritter – Breiviks Armee
[Link 13] externer Link Baphometische Gesellschaft: H.C. Strache – Mann der Zukunft


Kategorien: CHRONIK, NEUESTE

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