Neue Fake-Jubelpostings mit alter Masche loben den Bundeskanzler

Aktiviert man in der Löwelstraße erneut die alten Fake-Freunde auf Facebook?

Erstellt am 11.12.2011 von Florian Machl
Gut drei Wochen sind vergangen, seit das Magazin Datum im Fahrwasser der Inserate-Affäre eine Lawine voller Spott und Häme gegen Bundeskanzler Faymann und sein Team lostrat. Der Grund waren falsche Freunde im Social Media Netzwerk Facebook, die in verschiedenen Ausführungen die Arbeit des SPÖ-Parteichefs hochlobten oder schweigend die Zahl seiner „Fans“ nach oben schraubten. Es folgte der Skandal um gefälschte Jubel-Leserbriefe in großer Zahl, die direkt aus dem SPÖ-Parteinetzwerk stammen sollten. Kaum ein heimisches Medium berichtete nicht darüber. Sogar das internationale Medienecho war groß und alles andere als wohlmeinend. Glaubt man nun in der Löwelstraße, dem Sitz der SPÖ Bundespartei, welcher die Zeitung der Standard die Urheberschaft zuwies, dass bereits genügend Gras über die Sache gewachsen ist? Es scheint so, denn mit exakt derselben Masche tauchen bereits wieder neue Jubelpostings zugunsten von Faymann auf – von Fake Accounts, die schon lange aufgedeckt wurden. Und auch merkwürdige Facebookaccounts aus aller Welt drücken ihm bereits wieder ihr „gefällt mir“ aus …

 

Am 11. Dezember wurden Fake-Accounts wieder für Jubelpostings reaktiviert, die eigentlich als aufgedeckt galten...

Am 11. Dezember wurden Fake-Accounts wieder für Jubelpostings reaktiviert, die eigentlich als aufgedeckt galten...

Am 11. Dezember wurden Fake-Accounts wieder für Jubelpostings reaktiviert, die eigentlich als aufgedeckt galten…

Das Profil der Ana S. fiel schon vor Wochen auf...

Das Profil der Ana S. fiel schon vor Wochen auf...

Die Freundin von Peter H., Ana S., ist von der ersten Fakewelle gut bekannt und gilt eigentlich als aufgedeckt. Ihre „Facebook“-Freundschaft gab Grund zur Nachforschung…

Der Facebook-Nutzer Peter H. kennt Menschen aus aller Tochtersöhne Länder. Viele davon haben im Social Media Netzwerk nichts anderes getan, als ein sexy Profilbild hochzuladen. Manche davon haben das Hobby, zustimmende Postings zu Veröffentlichungen des Team Bundeskanzler rund um Werner Faymann abzugeben. Eine seiner Freundinnen ist Ana S., deren Profilbild im Zuge der jüngsten Affäre als gekauft identifiziert wurde. Über ein dutzend Online-Werbekampagnen wurden international mit dem Bild der hübschen Dame realisiert. Können Facebook-„Freunde“ von ihr „echt“ sein? Unwahrscheinlich, denn auch das Bild des Peter H. wurde wohl direkt aus dem Internet entwendet. Mit demselben Bild des hübschen Dressmans wird in Deutschland für modische Westen geworben. Ganz wie bei den Postings, welche die „Falsche-Freunde“-Affäre ins Rollen brachten, sind die Inhalte seiner Wortmeldungen ziemlich eindeutig und platt: „ich kann nur sagen – gott sei dank das es noch gute politiker wie werner faymann und gute partei wie die SPÖ gibt!!!!!!!!!!“
Frau S. wußte bereits am 29. Oktober zu äußern: „Bundeskanzler Werner Faymann ist ein sehr netter und sympathischer Politiker, der offen und positiv auf die Bürger zugeht.“

Bodenlose Dreistigkeit oder
Sabotage der politischen Mitbewerbs?

Peter H. ist dabei zur Zeit nicht der einzige „Freund“ des Bundeskanzlers, dessen vergleichbaren Wortmeldungen wieder durch den eindeutigen Jubelcharakter auffallen. Zudem tauchen – wenngleich in viel niedrigerer und unverdächtigerer Frequenz – „Freunde“ von Faymann auf, deren einzige Aktivität auf Facebook es ist, dort ihr „gefällt mir“ zu setzen.

Ist es bodenlose Dreistigkeit aus der SPÖ-Zentrale, die aufgrund der Tageszeitung der Standard angeblich vorliegenden Zeugenaussagen für vergleichbare Vorgänge vor einigen Wochen verantwortlich gemacht wurde? Oder ist es, wie im schnell darauffolgenden Dementi behauptet, die Aktivität von Trittbrettfahrern aus dem politischen Mitbewerb, die dem Kanzler und seiner Partei schaden wollen? Dagegen spricht, dass das Jubelprofil Ana S. schon sehr lange bekannt ist und dem medial ausführlich beschriebenen Fakeschema entspricht.

Tina mag den Kanzler. Aber auch Failmann. Und Schifahren.

Tina auf Facebook: Sie mag den Kanzler, aber auch die Fantasiefigur Failmann. Ihr Bild ist weiters auf einer horizontal orientierten Seite in Spanien zu bewundern.

Bestellte Jubeltruppen wären in der
Politikerfamilie Rudas altbewährt

Ob neue Fake-Freunde oder nicht – zum Nachdenken regen folgende Fakten an: SPÖ Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas ist seit ihrer Zeit in der Sozialistischen Jugend dafür bekannt,mit „Jubelpersern“ zu arbeiten. So berichtete Datum im Jahr 2009 (externer Link Link) bereits wie folgt:

… ihr Onkel Andreas war zu Blechas Zeit als Innenminister in den Achtzigern dessen Pressesprecher. Wie seine Nichte war auch er schon einmal Bundesgeschäftsführer der SPÖ und erdachte die Kampagne für den Kanzlerwahlkampf von Viktor Klima im Jahre 1999. Damals hielten zum ersten Mal Spin-Doktoren und bestellte Jubeltruppen auf Wahlkampfveranstaltungen Einzug in die Partei. Ein Werkzeug, das Laura Rudas später in „ihrer“ Jugendgruppe, den „Jungen Roten“, für sich entdecken sollte. Die sind eine sozialdemokratische Gruppierung fernab verfestigter Organisationsstrukturen, in der sich laut Rudas rund 300 junge Menschen engagieren und in der politische Arbeit mit dem vermengt wird, was sie für eine zeitgemäße Fankultur hält. Die Parteiführung ruft ihre Dienste vor allem in Wahlkampfzeiten ab. Ob Wiens Bürgermeister Michael Häupl oder Werner Faymann: Stets konnten sie sich darauf verlassen, dass Rudas die nötige Unterstützung in Form jubel- und klatschwilliger junger Menschen auf die Bühne bringt.

Das Jahr 2008: Gefälschte Leserbriefe –
und Laura Rudas wurde SPÖ-Bundesgeschäftsführerin

Die ersten (schlecht) gefälschten Leserbriefe, die angeblich von der IP-Adresse der SPÖ Parteizentrale zu hunderten an die Redaktionen der Tageszeitungen geschickt wurden, sollen übrigens im Jahr 2008 aufgetaucht sein. Das Jahr, in dem Laura Rudas zur Bundesgeschäftsführerin aufstieg. Fake-Profile mit Fotos von Bildagenturen wurden bereits im Jahr 2010 bekannt, als die SPÖ mit der Kampagne „Zeit für Gerechtigkeit“ punkten wollte. Für diese Kampagne konnten sich „gewöhnliche Internetbenutzer“ registrieren, ihr Bild hochladen, und eine Stellungnahme abgeben. Da dies entweder nicht ausreichend Menschen interessiert hat oder von vornherein als Fake geplant war, setzte man auf gekaufte Bilder und gefälschte Aussagen von nichtexistenten Personen (externer Link Link). Ein Skandal, der offenbar ebenso schnell wieder in Vergessenheit geriet, wie er hochstilisiert wurde.

Zweifel erscheinen angebracht

Zweifel an der offiziellen Darstellung, die aktuellen Jubel-Fakes des Bundeskanzlers wären vom politischen Gegner geschickt worden, erscheinen mehr und mehr angebracht zu sein. Nebenbei sollte erwähnt werden, dass die meisten Bildagenturen in den Geschäftsbedingungen ausschließen, dass Fotos von Personen in einer Form verwendet werden, die ihnen eine Parteizugehörigkeit oder Werbung für eine politische Partei unterstellen.

Statt echter Freunde Atomwaffenfans und Möchtegern-Wahrsager

Echte Freude des Kanzlers und seiner Politik sind indes auf Facebook kaum zu verorten. Vielmehr äußern dutzende „Wutbürger“ Tag für Tag ihren Zorn unter thematisch völlig anderslautenden Veröffentlichungen des Team Bundeskanzlers. Bezeichnend ist dabei, dass einige der letzten deklarierten „Sozialdemokraten“, die verzweifelt versuchen Faymann die Stange zu halten, teils demokratiefeindliche und teils tragische Figuren sind. So fordert einer der „Kanzlerfreunde“ des heutigen Tages in einem Posting (auf anderer Seite), dass man Deutschland mit französischen Nuklearwaffen angreifen solle. Eine seit dem Start des Kanzler-Facebook-Auftrittes besonders hyperaktive Dame bedauert öffentlich, dass Verteidigungsminister Darabos sie nicht „durch seine Geheimdienste“ zum paranormalen Fern-Späher ausbilden lässt. Das Problem daran ist nur: Die aktuelle Tagespolitik ist für so viel Realsatire eigentlich zu ernst. Bitterernst.

Relevante Links

externer Link Datum: Lässig, luftig, Laura
externer Link ZurPolitik.com: Erfundene Gerechtigkeits-Fans
externer Link Datum: Faymanns falsche Freunde


Kategorien: POLITIK

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