Failmanns Rücktritt vom Rücktritt führt zu Abwanderung von „Freunden“

Nutzer mutmaßen: Account an Rudolf Fußi verkauft - oder war dieser schon immer mit dabei?

Erstellt am 24.02.2012 von Florian Machl

Social Media ist ein zweischneidiges Schwert. Satireaccounts scheinen von Anfang an ein Ablaufdatum zu haben, eine Halbwertszeit der Unterhaltsamkeit. Ist dieses überschritten, sind bisherige „Freunde“ durchaus bereit, auf „gefällt mir nicht mehr“ zu klicken. Über 10.000 Kontakte zu haben, ist kein Garant dafür, diese mit themenfremden PR-Zwecken beglücken zu dürfen. Dies erführt momentan die auch medial viel beachtete Fantasiefigur „Failmann“. Die lange Zeit pointiert bissig-komische Parodie auf Bundeskanzler Faymann erklärte Anfang 2012 ihren Rücktritt – um ihn zwei Wochen später zur Unterstützung von Rudolf Fußis „Her mit dem Zaster“-Initiative zu reaktivieren. Viele bisherige „Freunde“ kommentieren Failmanns Einstieg in die „echte Politik“ enttäuscht bis zornig. Während des ersten Tages nach der Ankündigung wanderten mehr als 200 davon ab. Damit verliert Failmann im Moment vierzig Mal so viele Freunde, als Faymann, das Ziel seines Spottes, täglich hinzugewinnt.

Screenshot: Failmann auf Facebook

Ob verkauft oder nur Unterstützer: Fantasiefigur Failmann wirbt nun für Rudolf Fußis Initiative für ein Steuergerechtigkeits-Volksbegehren

„Solange es Faymann gibt, wird es auch Failmann geben“ titelte der Standard am 18. November 2011. Dort outeten sich gleich drei Personen aus rot-grünem Umfeld als gemeinsame Urheber der Kanzler-Persiflage. Diese eroberte Medienwelt wie Facebook im Sturm. Die Kunstfigur des Failmann konnte man auch als Reaktion auf die damaligen Inseraten-Affären des Bundeskanzlers verstehen. „Tu nicht gern regieren, tu lieber inserieren“ singt einer der drei Failmanns im extra vertonten Lied im idealerweise alkoholisiert zu genießenden Schihütten-Stil. Eines der frühen Highlights war das externer Link Interview für die Zeitschrift Woman: „Es müsste mittlerweile bekannt sein, dass es meine Aufgabe ist die Welt zu retten. Und Österreich. Die Zeitung.“ Anspielungen auf die großzügige Inseratevergabe Bundeskanzler Faymanns an im Gegenzug großmütig positiv berichtende Medien.

Von Anfang an inkonsequente Rolle

Leider, und das kritisierten viele Facebook- oder Twitter-Benutzer schon fühzeitig, fand die Figur des Failmann nie zu einem einheitlichen Stil. So unterhaltsam einzelne Satiren waren, Failmann brach – möglicherweise durch die multiple Persönlichkeit – immer wieder aus der Rolle aus. Ob aus Satire direkte Beschimpfungen Faymanns wurden oder Messages mit politischem Unterton – eine gewisse Polarisierung bestand seit den ersten Tagen. Dennoch fand die Figur viele Fans. Deutlich mehr als Kanzler Faymanns Facebook-Auftritt, der in diesen Tagen für ein langfristiges Gesamtbudget von externer Link knapp unter 200.000 Euro startete. Eine Summe, die für viel Häme und Volkszorn sorgte – während die Failmanns bis auf eine geringfügige Refinanzierung durch den erwähnten „Kanzler der Herzen“-Song mit Nullbudget operierten. So schaffte es Failmann bis zum 10. Februar – dem Tag seines „Rücktritts“ – auf über 13.000 Unterstützer zu kommen, die den Facebook-Auftritt mit „gefällt mir“ bedachten. Bundeskanzler Faymann musste sich zeitgleich mit 5.700 „Freunden“ begnügen.

Rücktritt oder nicht?

Ob es nun ein Rücktritt war, darüber scheiden sich inzwischen die Geister. Failmann postete an jenem Tag:

Die Realität hat die Satire endgültig überholt. Es macht keinen Spaß mehr sich über die Unfähigkeit dieses Kanzlers und in Wahrheit der gesamten politischen Klasse lustig zu machen. Die Accounts auf Facebook und Twitter haben verdammt viele Fans. Und ich möchte was gutes damit tun. Am liebsten wäre mir eine coole politische Initiative, eine NGO oder karitative Organisation, die dadurch die Möglichkeit bekommt viele Menschen zu erreichen (…)

Einen letzten Wunsch hätt‘ ich schon noch: Möge der „echte“ meinem Beispiel folgen.

„Einen letzten Wunsch“ äußert man an sich dann, wenn man aufhört. Die Intention war klar auf den Tisch gelegt: der Account sollte an eine noch zu nominierende politische Initiative, NGO oder karitative Organisation weitergegeben werden. Wer sich um Failmanns Freunde angestellt hat, ist unbekannt. Deutlich klarer scheint zu sein, wer den Zuschlag erhalten haben dürfte. Nach einem siebentägigen Countdown, der viele Facebook-Freunde hoffen ließ, Failmann würde den Rücktritt vom Rücktritt erklären und zu alter Form aufblühen, kam alles anders. Offensichtlich steht der Account nun Rudolf Fußis Initiative zur Vorbereitung eines Volksbegehrens zur Verfügung. Das Bild Failmanns ist mit dem „her mit dem Zaster, her mit der Marie“ Badge der Kampagne geschmückt, die Postings weisen einen anderen inhaltlichen Stil auf. Einen Sprachstil, der sehr an die Äußerungen des Social Media intensiv nutzenden Rudolf Fußi selbst erinnert. Und doch behauptet Failmann als Reaktion auf die bislang mehrheitlich alles andere als freundlichen Rückmeldungen „Werner Failmann wurde nicht verkauft, nicht verschenkt, gar nix.“

Failmann öffentlich abgewatscht wie das Ziel seiner Satire

Der Satire-Account hat sich auf das Parkett der echten Politik begeben und erfährt nun an eigenem Beispiel, wie es ist, von allen abgewatscht zu werden. Eine Erfahrung, die Bundeskanzler Werner Faymann seit seinem Facebook-Start am 26. Oktober tagtäglich macht, denn auch seine Forennutzer schenken ihm nichts. Nachdem bis heute nicht bekannt ist, wer wirklich hinter Failmann steckt, mehrten sich nun wieder die Vermutungen in der Leserschaft. War Fußi von Anfang an bei dem Dreiergespann dabei, das sich stets ähnlich verächtlich über SPÖ Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas äußerte, wie Fußi auf seiner eigenen Profilseite? Wäre gar der Grüne Hans Arsenovic ein potentiell Zweiter im Bunde, der von Anfang an zumindest höchst auffällig und intensiv für Failmann warb und der sich mit Fußi stets gut verstanden hat?

Von der Parodie zum Imitator?

Vielleicht ist Failmann aber auch zu sehr in der Faymann Rolle aufgegangen und von der Parodie zum Imitator geworden? Die Zukunft wird zeigen, ob Failmann von seinen eigenen Kalauern eingeholt wird. Von einer Satirefigur erwartet man sich eben Satire und nicht politische Stimmungsschwankungen im 2-Wochen-Rhythmus. Seit der Übergabe oder Zusammenarbeit mit Fußi haben sich jedenfalls über 200 „Freunde“ von Failmann distanziert. Es verbleiben immer noch mehr als doppelt so viele Freunde wie Bundeskanzler Faymann vorweisen kann – und eine weitaus größere Zahl von „Likes“ auf aktuelle Postings. Setzt sich der derzeitige Trend ungebremst fort, trifft Failmann sich mit Faymann in absehbarer Zeit zwar sicher nicht auf gleicher Augenhöhe, aber zumindest mit derselben Anzahl an Facebook-Followern. Was auch immer das in der realen Welt bedeuten mag.

Failmann, 28. Oktober Wir sind gerührt! So ist es. Ohne Euch bin ich nichts.

Failmann, 29. November: Brav mein „Team Bundeskanzler“. Haben eine Stellungnahme abgegeben und gesagt, dass die Anzahl der User irrelevant sei. Muss ich mir merken für den nächsten Wahltag: „Ein Erfolg mich für und Laura, weil wir wieder in die Regierung kommen, zu den Verlusten sage ich: Anzahl der Wähler ist irrelevant.“

Failmann, 24. Februar: Ui, da haben sich aber einige verabschiedet. Werd mal die Laura fragen wie das so mit Qualität und Quantität ist.

Weiterführende Links

externer Link Fantasiefigur Werner Failmann
externer Link Bundeskanzler Werner Faymann
externer Link DerStandard: Solange es Faymann gibt, wird es auch Failmann geben
externer Link Woman: Werner Failmann im Interview

externer Link Derstandard.at: Failmann Outing Foto hochauflösend
externer Link Krone.at: Failmann parodiert Faymann
externer Link hermitdemzaster.at: Rudolf Fußis Initiative für ein Steuergerechtigkeits-Volksbegehren


Kategorien: NETZPOLITIK, POLITIK

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